6. Etappe: Über die Balkanhalbinsel Richtung Süden

So langsam fliegt auch unser Pack Easy Zugvogel, wie sich das für einen echten Vogel seiner Gattung gehört, Richtung Süden und kehrt nach seinem kleinen Abstecher ans Bayerische Meer dem deutschsprachigen Raum den Rücken zu. Es zieht ihn nach Kroatien, in das Land, dessen landschaftliche Schönheit zahlreiche kreative Köpfe inspiriert hat. Schon in den 60er-Jahren lockten die Plitvicer Seen in der Landesmitte die Macher der legendären Winnetou-Filme in das damals weitgehend unbekannte Land auf der Balkanhalbinsel. Heute finden eingefleischte Game of Thrones-Fans in und um die Städte Šibenik und Dubrovnik zahlreiche Drehorte der mehrfach preisgekrönten Fernsehserie.

Aus Kroatien, genauer gesagt aus der Küstenregion Dalmatien, stammt auch die wohl auffälligste Hunderasse, deren Bekanntheitsgrad sich spätestens seit Disneys «101 Dalmatiner» auf die ganze Welt ausweitete. Und ein kroatischer Tüftler war es auch, der dazu beitrug, dass eben jene Dalmatiner 1961 auf Zeichentrick zum Leben erweckt wurden. Denn zu den bekanntesten Erfindungen des zwischen 1871 und 1922 lebenden Slavolub Eduard Penkala gehören Versionen des mechanischen Stifts sowie ein Füllfederhalter mit fester Tinte, die dem heutigen Kugelschreiber als Vorbild dienten.

Penkalas Lebensmittelpunkt, die lebhafte Hauptstadt Zagreb, bildet den Ausgangspunkt unserer Reise an die schönsten Orte Kroatiens.

 

Altstadtbummel durch die Landesmetropole

Charakteristisch für die kroatische Hauptstadt ist ihre österreichisch-ungarische Architektur aus dem 18. und 19. Jahrhundert, daneben prägen unzählige Denkmäler und Statuen, Strassencafés und Grünanlagen das Stadtbild und locken im Sommer zahlreiche Menschen in die Strassen und Parks der lebhaften Stadt.

Gornji Grad, der ursprüngliche Stadtkern und die heutige Oberstadt, gilt als das kulturelle Zentrum von Zagreb. Hier schlendern wir ein Weilchen durch die autofreien Gassen, vorbei an zahlreichen Museen und Kunstgalerien, aber auch Sehenswürdigkeiten wie der katholischen St.-Markus-Kirche, dem Sitz der kroatischen Regierung sowie dem historische Stadtzentrum Kaptol mit der Kathedrale von Zagreb.

In Donji Grad, dem neueren Stadtteil, befinden sich die Haupteinkaufsstrassen und Geschäftsgebäude der Stadt. Doch zwischen eher tristem Beton, ziehen auch einige bemerkenswerte architektonische Projekte unsere Aufmerksamkeit auf sich.

 

Grünes Glück im Stadtzentrum
Aus der Vogelperspektive sticht nämlich ein grüner Gürtel inmitten des Stadtzentrums ganz besonders ins Auge. Das «Lenuci-Hufeisen» erhielt seinen Namen von dem Architekten und Stadtplaner Milan Lenuci, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Planung von Zagreb und seiner Parks beauftragt wurde. 

Das Lenuci-Hufeisen ist eine Anlage bestehend aus sieben Plätzen, Grünanlagen, die diese verbinden, und einem Botanischen Garten. Lenuci entwarf die Anordnung der Plätze, die allesamt nach bedeutenden Männern der kroatischen Geschichte benannt wurden, in der Form eines «U», was seinem Projekt den Beinamen «Grünes Hufeisen» einbrachte.

www.kroatischlernen.eu/blog/das-lenuci-hufeisen

 

Naherholungsgebiet und Kulturdenkmal

Die beliebteste grüne Oase der Landesmetropole jedoch bleibt der Maksimir Park, der bei seiner Eröffnung im Jahre 1794 den ersten öffentlichen Park in Südosteuropa darstellte und noch heute der älteste und grösste der Region ist. Dieser historische Ort, mit seiner gelungenen Mischung aus englischem Rasen und Wald, dazwischen Spazierwege, Seen und Pavillons, erlaubt es Zagrebern und Reisenden einfach mal tief durchzuatmen.

Im Maksimir-Park befindet sich auch der Zagreber Zoo, der einst mit drei Füchsen und einigen Eulen begann und heute über 2'200 Tiere auf Rund 7 Hektaren beherbergt. Gesamthaft hat die riesige Parkanlage eine Fläche von 316 Hektar und gewährt Gross und Klein genügend Freiraum für Freizeitvergnügen jeder Art.

https://www.croatia.hr/de-DE/park-maksimir

Das facettenreiche Bild der Landesmetropole wird aber bei weitem nicht nur von grünen Oasen geprägt. Eine ganz besondere Faszination wirken die zahlreichen Festivals, Kulturveranstaltungen, Konzerte und Strassenkünstler auf uns aus, die gerade in der wärmeren Jahreszeit unter freiem Himmel stattfinden. Sie sorgen für das urbane Flair und einen stetigen Puls, der Zagrebs Einwohner und Besucher in einem kaum spürbaren Übergang von Tag zu Nacht führt.

 

Auf den Spuren Winnetous

Nun kehren wir dem bunten Treiben im sommerlichen Zagreb aber den Rücken zu und folgen dem Pack Easy Zugvogel an die Adriaküste. Während wir so über die Landesmitte gleiten, kommen wir nicht umhin, den eben schon erwähnten Plitvicer Seen in der Bergregion Kroatiens einen Besuch abzustatten. Der Nationalpark ist der grösste und älteste des Landes und feierte 1979 den Einzug auf die Liste des UNESCO-Welterbes.

https://np-plitvicka-jezera.hr/de/

 

 

Charmantes Seglerdörfchen

Endlich an der Küste angekommen, wollen wir im wunderschönen Skradin in der Gespanschaft Šibenik erstmals eine Pause einlegen. In dem kleinen Ort, der bei Fischern und Seglern gleichermassen beliebt ist, verwandelt sich der Flusslauf der Krka in eine lange und tiefe Meeresbucht. Von hier aus bringen Wassertaxis Besucher zu den imposanten Wasserfällen, Naturpfaden und Badeseen im gleichnamigen Nationalpark.

Wir haben jedoch erstmal ein anderes Ziel. Seit Jahrzehnten schon führt die Familie Bulat die Villa Bonaca am Rande der Marina. Hier verschmelzen Tradition und Moderne: Glasumrandete Terrassen eröffnen einen Blick über die mediterrane Poolanlage direkt zu den malerischen Fischer- und Segelbooten im Hafenbecken. Das rustikale Restaurant serviert authentische dalmatinische Köstlichkeiten in urigem Ambiente. Beim Anblick des traditionellen Skradin-Risotto läuft uns dann auch das Wasser im Munde zusammen. Dieses regionale Gericht ist ein Meisterwerk der Kochkunst. Hierzu werden Zwiebeln, Kalbfleisch, Reis und je nach Familienrezept weitere geheime Zutaten, bis zu 12 Stunden lang auf dem offenen Feuer gekocht. Ein Geschmackserlebnis, das wir uns keinesfalls entgehen lassen wollen.

http://www.villabonaca.com/en/

 

 

Preisgekrönter Stadtstrand mit Ausblick
Doch was wäre eine Reise ans Meer ohne Strandbesuche, Salzwasser und Badefreuden? Natürlich gibt es unzählige Strände und Buchten entlang der Adriaküste. Unsere Wahl fällt heute auf den kleinen, aber feinen Stadtstrand Banj, nur wenige Fussminuten von der Altstadt von Šibenik entfernt. Die Stadt liegt an einer Meeresbucht, wodurch das Wasser besonders klar, ruhig und türkisblau in der Sonne schimmert. Von Banj aus bietet sich uns ein reizender Blick auf die St. Jakobskathedrale, die Michaelsfestung und den Kanal des Heiligen Anton.

In Šibenik befinden sich noch drei weitere Festungen, die einen wundervollen Ausblick auf die bunten Dächer der Stadt und das Šibeniker Archipel mit seinen zehn grossen und etlichen kleineren Inseln bieten. Daneben dienen sie als Kulisse für unzählige Kulturveranstaltungen wie Chanson-Abende, Mittelalterfestivals oder Kurzfilmtage.

https://croatia.hr/de-DE/erlebnisse/strande/stadtstrand-banj-sibenik

 

 

Vergessener Kraftort
Wer der sommerlichen Hitze für einen Moment entfliehen möchte, den nehmen wir mit auf einen Bummel durch den mediterranen Klostergarten des hl. Laurentius. Nachdem sie fast 100 Jahre in Vergessenheit geraten war, wurde die wunderschöne Anlage renoviert und im Jahre 2007 neu eröffnet.

Der Klostergarten wurde nach bekanntem mittelalterlichem Schema angelegt: ein Kreuzweg, im Zentrum ein kleiner Brunnen, rundherum Buchsbäume und wunderschöne duftende Rosen. Auf vier Feldern sind Heil- und Gewürzkräuter angebaut. Besonders ins Augenmerk sticht eine Ansammlung von Thymian mit wunderschöner rötlicher, lila, grauer, hellgrüner und dunkelgrüner Blattfarbe. 

https://www.sibenik-tourism.hr/de/

 

 

Ein kulinarisches Fest für die Sinne

Kurz bevor unsere Reise sich dem Ende zuneigt, erwartet uns noch ein lukullisches Erlebnis der Extraklasse im mehrfach ausgezeichneten Restaurant Pelegrini im Zentrum der Stadt. Küchenchef und Besitzer Rudi Štefan verführt Freunde des «Fine-Dining» mit seinen einzigartigen Kreationen regionaler Spezialitäten und lädt in gemütlichem Ambiente, fernab von Massentourismus und Rummel, zu einem Fest für alle Sinne.

Begleitet werden seine preisgekrönten Speisen von Weinen aus Kroatien und den umliegenden Balkanländern. Aber auch die Cocktailauswahl ist von beeindruckendem Umfang und verführt dazu, den lauen Sommerabend genüsslich ausklingen zu lassen.

 http://pelegrini.hr/en/

 

 

Geheimnisvolles Spiel mit den Elementen

Gerade die Abende an der Adriaküste sind besonders verführerisch. Es lohnt sich, morgens ein bisschen länger in den Federn zu liegen und dafür die warmen Sommernächte zum Tag zu machen.

Zwei aussergewöhnliche Spektakel locken kurz nach Sonnenuntergang an die Promenade von Zadar. Das Seebad an der adriatischen Küste war ursprünglich vor allem für seine römischen und venezianischen Ruinen und seinen auf einer Halbinsel liegenden Altstadtkomplex bekannt. Vor einigen Jahren kamen jedoch modernere Publikumsmagnete aus der Feder des Architekten Nikola Bašić dazu. Der kroatische Visionär hat sich ganz den Elementen verschrieben und erschuf zwei Werke der besonderen Art.

Das Lichtspiel Pozdrav Suncu, zu deutsch «Gruss an die Sonne», wurde einem Amphitheater nachempfunden. Der 22 Meter grosse Platz besteht aus 300 mehrschichtigen Glasplatten, die in den Boden eingelassen sind und die Sonne darstellen. In den Glasplatten sind Solarzellen und kleine, farbige Leuchtmittel, die tagsüber Solarenergie sammeln, um in der Dunkelheit die Promenade zu beleuchten.

In unmittelbarer Nähe befindet sich Bašićs Erstlingsprojekt die Meeresorgel, ein experimentelles Instrument, dessen Töne durch die Wellenbewegung des Meeres unter grossen Steinplatten erzeugt werden. Obwohl die Klänge fremd und unberechenbar erscheinen, bilden sie doch ein harmonisches und stimmungsvolles Gesamtbild.

An diesem aussergewöhnlichen Ort lassen wir diese Etappe auf unserer Reise Richtung Süden zu Ende gehen. Kroatien hat uns beeindruckt mit seinem feinsinnigen Gespür für die Kombination von Tradition und Moderne, seiner Leidenschaft für regionale Spezialitäten und Brauchtümer und seiner einzigartigen landschaftlichen Schönheit.

https://zadar.travel/de/

https://www.youtube.com/watch?v=7kdR5MVtNWM&feature=youtu.be